Thema: "Triumph der Taliban – woran ist der Westen gescheitert?“ | maybrit illner vom 19. August 2021
Inhalt: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wirft der Bundesregierung vor, die dramatische Lage in Kabul durch Wahlkampfkalkül befördert zu haben. Es sei ein Desaster, „in das wir als Bundesrepublik Deutschland hineingeraten sind, weil ein Auswärtiges Amt, ein Verteidigungsministerium, aber auch eine Kanzlerin und ein Vizekanzler in den letzten Wochen entschieden haben, uns ist es wichtiger, dieses Thema Afghanistan aus dem Wahlkampf herauszuhalten als Menschenleben zu retten“, sagte Baerbock bei „maybrit illner“. Deutschland stehe jetzt „in Gänze“ in der Verantwortung. Oberstes Gebot sei es, „dass der Bundesaußenminister, die Verteidigungsministerin, der Innenminister, aber auch die Bundeskanzlerin jetzt alles dafür tun, Menschen rauszuholen.“ Das heiße auch, die Flugfrequenz zu erhöhen und mit den Amerikanern zu vereinbaren, „dass die Menschen am Flughafen auch durchkommen“. Derzeit würden viele, die es zum Flughafen schafften, nicht durchgelassen, weil entsprechende Listen fehlten. Im Kanzleramt müsse ein Krisenstab gebildet werden, der die Zusammenarbeit der an den Rettungsaktionen beteiligten Bundesministerien koordiniert. „Absolut notwendig“ sei es, dem Beispiel anderer Staaten zu folgen und einen stellvertretenden Botschafter nach Kabul zu schicken. „Ich erwarte auch von einer Verteidigungsministerin, dass sie nach Usbekistan fährt“, sagte Baerbock. Die Soldatinnen und Soldaten dort müssten unterstützt werden. Zweifel, dass es noch gelingen könnte, rund 10 000 schutzbedürftige Menschen, aus Afghanistan herauszubringen, hat der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner. Wie das in dem vermutlich nur noch kleinen verbleibenden Zeitfenster bis Ende August möglich sein sollte, sei für ihn „nicht absehbar“. Darüber müsse man sprechen. Pläne für die Evakuierung habe es seit April gegeben. Es sei jedoch „nicht eine Frage der Streitkräfte, zu entscheiden, wann man evakuiert“. Das sei eine politische Frage „und da war man zu spät“. Zu Rücktrittsforderungen wollte sich Wüstner nicht äußern, sagte aber: „Der Punkt ist der, dass federführend für den Bereich der Einsätze natürlich der Außenminister zuständig ist. Das ist so.“ Der CDU-Verteidigungsexperte Johann Wadephul kündigte den Einsatz weiterer zwei Hubschrauber im Raum Kabul an. Diese sollten „weitere Personentransporte“ ermöglichen. Bislang seien 1300 Menschen ausgeflogen worden, die Arbeit der Transportflieger sei „wirklich hervorragend“. Angesprochen auf Abstimmungsprobleme mit den Amerikanern sagte der Unionsfraktionsvize, er finde die politische Abstimmung „mangelhaft“. Darüber müsse man auch kritisch sprechen. Die militärische Zusammenarbeit mit den Amerikanern vor Ort sei jedoch hervorragend. „Die Amerikaner haben das selbe Problem wie wir“, sagte Wadephul. Auch die US-Dienste hätten „bis in die letzten Tage der letzten Woche“ gesagt, Kabul werde nicht fallen. „Das war falsch.“ Die Sicherheitskorrespondentin der „Washington Post“, Souad Mekhennet, zeigte sich angesichts der späten Evakuierung der Ortskräfte in Afghanistan entsetzt. Aufgrund der Lage der Ortskräfte würden sich Ortskräfte in anderen Ländern nun fragen, ob sie ihr Leben aus Spiel setzen, wenn sie „am Ende im Stich“ gelassen würden. Gegenüber den Taliban habe man sich erpressbar gemacht, so Mekhennet: „Und das ist traurig.“ Da "weder die afghanische Armee noch die Polizei tatsächlich wirklich in der Lage war, die Taliban zu bekämpfen", stellte sie die Frage: „Was haben wir eigentlich die letzten 20 Jahre in Afghanistan getan?“ Den gesamten Talk findet ihr hier: https://kurz.zdf.de/7dX/ Die Gäste der Sendung: Annalena Baerbock, Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin, Bündnis 90/Die Grünen André Wüstner, Oberstleutnant, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes Johann Wadephul, stellv. Fraktionsvorsitzender, CDU Souad Mekhennet, Sicherheitskorrespondentin „Washington Post“ Katrin Eigendorf, ZDF-Korrespondentin Patoni Izaaqzai-Teichmann, Vorsitzende Afghan German Association ----- Hier auf ZDFheute Nachrichten erfahrt ihr, was auf der Welt passiert und was uns alle etwas angeht: Wir sorgen für Durchblick in der Nachrichtenwelt, erklären die Hintergründe und gehen auf gesellschaftliche Debatten ein. Diskutiert in Livestreams mit uns und bildet euch eure eigene Meinung mit den Fakten, die wir euch präsentieren. Abonniert unseren Kanal, um nichts mehr zu verpassen. Immer auf dem aktuellen Stand seid ihr auf https://www.heute.de/. #MaybritIllner #Afghanistan #Taliban
Herausgegeben von: ZDFheute Nachrichten
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